BLOG: Paradoxon Wearables – Sie sind Simplifizierer und Treiber in einem

Patricia Kehm – 23.05.2017

Wearables simplifizieren immer stärker die Informationsbeschaffung. So braucht es nicht einmal mehr den Griff in die Handtasche oder das Entfernen der Smartphonehülle, um an die aktuellsten Informationen zum Tagesgeschehen oder zur gesellschaftlichen Kommunikation zu gelangen. Auf der einen Seite führen Sie dazu einen möglichst geringen Aufwand zu betreiben, gleichzeitig fördern Wearables hingegen auch den sportlichen Wettkampf, indem die sogenannten Fitnesstracker jeden Schritt, die Entfernung und den Kalorienverbrauch messen. Ein All-In-One-Produkt, welches dazu beiträgt nichts zu tun und gleichzeitig doch das Gewissen mit sportlichen Herausforderungen stillt – ist das genau das, was wir brauchen?

Bestehende Studien zeigen, dass die Nutzung von Wearables in Deutschland allgemein noch sehr verhalten ist. 2016 besitzen gerade einmal 10 Prozent der deutschen Onliner einen Fitnesstracker, 8 Prozent eine Smartwatch und knapp die Hälfte kennt überhaupt Datenbrillen.1 Es ist auch nicht ganz so einfach. Im ersten Schritt ist es schwierig zu verstehen, was ein Wearable überhaupt ist. „Wearables sind Computertechnologien, die man am Körper oder am Kopf trägt. […] Beispiele für Technologien sind intelligente Armbänder, spezielle Kleidungsstücke mit Zusatzfunktionen, Smartwatches und Datenbrillen.“2  Das kann sehr viel sein – SmartBicycleHelmet, Zepp-Sonsorik, HeartRateHeadphones, VR-Brillen (Virtual Reality), Datenbrillen, E-Textiles und vieles mehr. Smartwatches und Fitnesstracker sind wohl die gängigsten und greifbarsten Wearables.

Das herrschende Misstrauen gegenüber dieser Devices ist sicher nicht unbegründet. Sie sind zum einen Informationslieferanten für den Nutzer, gleichzeitig jedoch auch Datenlieferant für den Hersteller bzw. Betreiber. Das bringt uns zum nächsten Paradoxon. Relevante Informationen sollen uns simpel und schnell erreichen, aber Daten von uns, die es wiederum erst ermöglichen die notwendigen Informationen in Realtime zu liefern, wollen wir nicht preisgeben. Wearables sind Big-Data-Devices. Sie liefern neue Informationen über den Nutzer, die gleichzeitig die Voraussetzung für die Nutzung selbst darstellen. Die Grenzen sind bereits durch den Datenschutz gesetzt und werden aktuell zusätzlich durch unser eigenes Misstrauen verstärkt. Um das Misstrauen in diese Devices zu dämmen, müssen die Nutzenaspekte weiter in den Vordergrund gestellt werden.

Finanzdienstleister, Krankenkassen oder Versicherungen haben bereits den Mehrwert für sich erkannt. Skeptiker sehen diesen Mehrwert nicht nur positiv. Für die Wearable-Anwender entsteht so eine unkontrollierbare Kontrolle dieser Branchen. Gleichzeitig werden jedoch Körpertemperatur, Herz-Frequenz und Blutdruck getrackt und können so den eigenen Gesundheitszustand verbessern. Sportliche Leistungen können durch optimale Berechnungen kontrolliert gesteigert werden, indem zur richtigen Zeit die richtige Notification für den nächsten Leistungseinsatz mitgeteilt wird.

Als nächstes starten E-Textiles den Angriff: Kleidung, die nicht nur die Herzfrequenz misst, sondern zusätzlich die Emotionen der tragenden Person wahrnimmt. In Fachkreisen wird dabei von „Affective Computing“ gesprochen. Durch das Zusammenführen diverser Daten, wie Gehirnstrom, Stimmerkennung, Hautspannung, Hautfeuchte und Körpertemperatur, wird den Geräten ermöglicht, positiven von negativem Stress zu unterscheiden.3 Ein Frühwarnsystem für Burn-out oder doch nur ein weiterer Mehrwert für die Krankenkassen? Das und den Mehrwert aller Nutzenaspekte kann nur jeder für sich selbst entscheiden, denn Wearables werden am eigenen Körper getragen und machen aus Mensch und Maschine eins.

1 Digitale Mediennutzung in der DACH-Region 2016, BVDW
http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/wearable.html, 23.05.2017
3 https://www.welt.de/lifestyle/article118642704/So-wird-ihr-Koerper-zur-Fernbedienung.html, 23.05.2017